Schneefest

Schneefest

Das Dorf hat ein besonderes kirchliches Fest, das ,,Fest Maria Schnee“. Erstmals wurde es 1626, also im Dreißjährigen Krieg, aufgrund eines Gelöbnisses Pestgelöbnisses gefeiert. Schleid wurde in jenem Jahr von Hungersnot, Pest und Krieg arg mitgenommen. In höchster Not wandten sich die Einwohner an die Maria und gelobten für ewige Zeit, den 5. August hoch feierlich zu begehen. Dieser Termin war der dem Gelöbnis am nächstliegende Marienfesttag, der Weihetag der Kirche Maria Maggiore in Rom.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Pater Eugen Büchel

Zu den Persönlichkeiten des Ortes zählt Pater Eugen Büchel, der als Jesuit und Indianermissionar eine Missionsschule in Amerika gründete und als der Grammatikverfasser der Lakotasprache gilt. Pater Eugen Büchel wurde am 20. Oktober 1874 in Schleid geboren. Seine Mutter starb am 11. August 1881. Ein halbes Jahr später, am 8. Februar 1882 verstarb auch sein Vater. Eugen Büchel hatte neun Geschwister, von denen vier bereits als Kleinkinder und ein Bruder im Alter von 26 Jahren verstarben. Er wuchs unter der Obhut von vier älteren Geschwistern auf, besuchte zunächst die Volksschule und wechselte später auf das Gymnasium in Fulda. Im Jahre 1896 begann er zu studieren und vollendete zwei Semester am Priesterseminar in Fulda. 1897 trat er dem Jesuitenorden bei und ging nach Blyenbeek, Holland. Im Sommer 1900 verließ er Europa für immer und nach einer elftägigen Schiffreise erreichte Eugen Büchel am 29. Juli 1914 die Vereinigten Staaten. Zu seinen Geschwistern in Deutschland hatte er nur noch Briefkontakt. Eine spätere Einladung nach Deutschland lehnte er ab, obwohl seine Familie das Geld für die Reisekosten gesammelt hatte. Nach einem kurzen Aufenthalt in den Staaten Wisconsin und Ohio, wo er seine Englischkenntnisse verbesserte, schickte man ihn zunächst auf die 1885 gegründete St. Francis Mission auf der Rosebud Reservation in South Dakota. Die Sioux hatten Vertrauen zu den Jesuiten, denen sie aufgrund ihres persönlichen Mutes mehr Respekt entgegenbrachten. Pater Büchel arbeitete zunächst als Englischlehrer für eine Jungenklasse auf der Rosebud Reservation, wobei er seine ersten Kenntnisse in der Sprache der Sioux erwarb. Während seiner Tätigkeit als Lehrer begann er systematisch Lakotaworte aufzuschreiben, zu übersetzen und zu katalogisieren. Außerdem zeigte er viel Interesse an den alten Geschichten und Legenden der Lakota, die er ebenfalls niederschrieb. In den Jahren 1904 bis 1905 unterbrach Pater Büchel seine Missionstätigkeit in St. Francis und setzte in St. Louis seine theologischen Studien fort. Am 28. Juli 1906 wurde er zum Priester geweiht. Im Jahre 1907 kam er nach St. Francis zurück, wurde jedoch kurze Zeit später zum Leiter der Holy Rosary Mission auf Pine Ridge, der Reservation der Oglala Sioux unter Red Cloud ernannt. Am 25. September 1941 erhielt Eugen Büchel die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Jahre 1923 kehrte Pater Büchel nach St. Francis zurück. Im folgenden Jahr publizierte er seine Bible History, eine gekürzte Fassung der Bibel, die er mit Hilfe einiger Lakotafreunde übersetzt hatte. Am Ende seines Lebens hatte Pater Büchel einen großen indianischen Freundeskreis. Er wurde von seinen geliebten Lakota adoptiert und erhielt den Namen Wanbli Sapa (Black Eagle). Der Jesuitenpater konnte in den letzten Jahren seines Lebens neben Deutsch, Englisch, Latein, Griechisch und Französisch, durch den Dialekt der Lakota fließend sprechen. Pater Büchel verstarb am 27. Oktober 1954, nur sieben Tage nach seinem 80. Geburtstag, an den Folgen eines Schlaganfalls. Auf seiner Beerdigung sollen mehrere hundert Menschen, größtenteils Indianer, ihm die letzte Ehre erwiesen haben. Das Vermächtnis und Andenken an Pater Büchel hält das Buechel-Memorial-Lakota-Museum lebendig.

Pastor Johannes Gutwein

Bekannt wurde Pastor Johannes Gutwein, der als „Pestpfarrer“, durch sein Wirken im 30jährigen Krieg in der Mutterpfarrei Schleid. Johannes Gutwein erhielt 1595 die Zulassung zum Studium am Jesuitenseminar in Fulda. Er kam 1623 von Großenlüder nach Schleid. Hier begann er mit großer Sorgfalt die Kirchenbücher anzulegen und die Angelegenheiten der Pfarrei zu ordnen. Pastor Gutwein war der Initiator des Schneefestes von Schleid und Kranlucken, einem Pestverlöbnis während des Dreißigjährigen Krieges. Vom Mai bis August 1626 waren in Schleid und Kranlucken 430 Menschen an der Pest verstorben. In diesen Monaten hörte der Pastor unentwegt Beichte, wurde in den Nächten zu den Sterbenden gerufen und gab fast täglich den Toten das letzte Geleit. Nach der Schlacht bei Breitenfeld in der die protestantische Union siegte, fiel die Fürstabtei an Hessen und Pastor Gutwein musste die Pfarrei verlassen. Nach der Schlacht von Nördlingen 1634, in der die Kaiserlichen siegten, kehrte Anfang Oktober Pastor Gutwein wieder nach Schleid zurück. Im folgenden Jahr 1635 verstarben in Schleid, Motzlar, Kranlucken, Zitters, Gerstengrund und den Höfen 429 Menschen an der Pest. Die Not wurde schließlich so groß, dass die Pfarrei ihren Geistlichen nicht mehr ernähren konnte. Im März 1639 machte Pastor Gutwein den letzten Eintrag in die Kirchenbücher und ging nach Mainburg. Dort blieb er zwei Jahre und trat danach die Pfarrstelle in Brückenau an, wo er am 30. Januar 1647 starb.

Allgemein

Allgemein

Schleid wurde erstmals gesichert 1186 urkundlich erwähnt. In einer Urkunde des Abtes Konrad von Fulda treten die fuldaer Ministerialen Hertnid und Gerlach von Schleid (Sleitahe) als Zeugen auf. Zu dieser Zeit bestand schon die Pfarrei Schleid. Sie ist nachweislich die älteste Pfarrei, die Mutterpfarrei des mittleren Ulstertales. Sie erstreckte sich von Lahrbach bis nach Pfersdorf und gehörte zur Fürstabtei Fulda. Der erste erwähnte Pastor von Schleid war 1308 Berthold von Heringen.
Zwischen dem 11. Und 12. Jahrhundert lösten sich die einzelnen Filialen von der Mutterpfarrei. Die letzte Trennung geschah 1737, als Kranlucken zur eigenständigen Pfarrei erhoben wurde.
Der 30jährige Krieg brannte großes Elend und not über die Bevölkerung. Mehrmals wurde die Rhön von Schweden, Franzosen und Kroaten geplündert. Während dieser Zeit brach im April 1626 die Pest in der Region aus. Von Mai bis August starben in Schleid und Kranlucken 430 Personen. In dieser schrecklichen Not wanden sich die Menschen an die Gottesmutter Marie und gelobten auf ewige Zeiten das Fest „Maria Schnee“ am 5. August feierlich zu begehen.
Der Beginn des 19. Jahrhunderts war für die Dörfer der Rhön wieder durch Kriegsgetümmel gekennzeichnet. Die Scharen des Franzosenkaisers Napoleon plünderten und verlangten hohe Tribute. Auf seinem Rückzug aus Russland kehrte der geschlagene Kaiser in Buttlar (8 km von Schleid) ein und brannte das ganze Dorf nieder.
190 wurde in Schleid die Ziegelei und die Bahnstrecke Philippsthal-Tann gebaut. 1952 wurde die Bahnstrecke stillgelegt und abgerissen.
Am 3. Juni 1913 wurde Schleid von einem schrecklichen Hochwasser heimgesucht. Innerhalb einer Viertelstunde war das Dorf überflutet. Die Straße nach Schleid war stellenweise 3 Meter tief aufgerissen, die Wasserleitung zerstört und ein großes Stück des Bahndammes mitfortgeschwemmt.
Während des I. Weltkrieges starben 22 Männer an der Front. Durch die Besetzung der russischen Truppen kam Schleid nach dem II. Weltkrieg zur russischen Besatzungszone und durch die Teilung Deutschlands zur DDR. Durch die grenznahe Lage lag es im Sperrgebiet. 1961 wurde zwanghaft die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) durchgesetzt. Dadurch wurde der private Landbesitz genossenschaftlich. Im Oktober 1989 fanden in Geisa (2 km von Schleid) die montäglichen Friedensgebete bis zur Grenzöffnung am9. November des gleichen Jahres statt. Im März 1990 fanden in Schleid wieder die ersten freien Wahlen statt.
Seit 1994 ist Schleid Hauptsitz der gleichnamigen Einheitsgemeinde.